Ric O'Barry. Bild: AFP

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Ric O'Barry will das Image des stets freundlich lächelnden Menschfreunds Flipper zerstören, das so vielen Meeressäugern seither zum Verhängnis geworden ist. Er hat einen radikalen Lebenswandel hinter sich. Die ersten zehn Jahre seiner beruflichen Laufbahn war er ein Teil der Delfinindustrie, heute versteckt er sich wie ein Guerillakämpfer in den steilen Klippen über der Bucht von Taiji, um das größte Massaker an Delfinen auf der Welt zu stoppen. Das Gespräch findet in einem Hotel am Potsdamer Platz statt. Die Herbstsonne scheint mild zum Fenster hinein und erleuchtet O'Barrys kurzes, ergrautes Haar. Die Stimmung ist friedlich, doch das lässt den 69-jährigen auch nicht besser schlafen. Zumindest fühlt er sich in Berlin sicherer als in Japan. Trotz des Interviewmarathons zum Filmstart von "Die Bucht" hält er an seinem Ziel fest. Und das lautet auch für seinen Besuch in der Hauptstadt: So viele Menschen wie möglich über das grausame Geheimnis von Taiji aufzuklären. Mit der Stimme eines alten Cowboys, der am Lagerfeuer von seinen Abenteuern berichtet, erzählt O'Barry von jenem Ereignis, das ihn über Nacht zu einem anderen Menschen machte, seiner Wut auf die Internationale Walfangkommission und seiner Angst vor der japanischen Mafia, die ihm schlaflose Nächte in Japan bereitet.

Welt der Wunder:

Herr O'Barry, Glückwunsch, der Film "Die Bucht" startet diese Woche in den deutschen Kinos und wird schon als Oscar-Anwärter gehandelt. Ist ihre Mission damit beendet?

Ric O'Barry:

Oh nein, jetzt geht es erst richtig los. Nach meinem Aufenthalt in Deutschland werde ich wieder zurück nach Japan fliegen. Die nächsten Filmcrews stehen schon in den Startlöchern. Ich werde auch weiterhin das Medieninteresse auf die Bucht lenken und noch mehr Journalisten einladen, mich zu begleiten. Vor dem Film war es schwierig, überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen. Der Film "Die Bucht" hat alles verändert.

Welt der Wunder:

Trotzdem fahren Sie zurück nach Taiji. Worin sehen Sie also den Forschritt?

O'Barry:

Wissen Sie, die letzten Jahre habe ich mich gefühlt wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen. Erst als ich den fertigen Film beim Sundance-Festival gesehen habe, ist mir klar geworden: es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern, als ich einige Wochenenden vor dem Hamburger Zoo gegen Delfinarien demonstriert habe. Die Menschen haben sich damals nicht für mich interessiert, denn es schien ja auch kein Problem zu geben. Die Delfine grinsten wie immer freundlich, das Wasser schimmerte karibikblau, die Musik hallte übers Becken - kein Mensch wollte sich in diesem Augenblick mit einem Problem beschäftigen. Bis heute. Der Film erübrigt jede weitere Diskussion. Ohne den Film hätte ich niemals so viele Interviews geben können. Jeder, der den Film gesehen hat, hat kapiert, dass wir all die Jahre einer Illusion aufgesessen sind. Wer den Film gesehen hat, wird sich in Zukunft zweimal überlegen, ob er ein Ticket für eine Delfin-Show kauft.

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