
Glasbläser. Bild: Imago
Als auf der Erde vor 4,5 Milliarden Jahren die ersten Vulkane entstanden, bildeten sich verschiedene natürliche Glasgesteine. Darunter Bimsstein, ein poröses glasiges Vulkangestein, und Obsidian. Obsidian entsteht unter bestimmten Bedingungen bei der raschen Abkühlung von Lava. Das schnelle Erkalten der Schmelze hinterlässt eine unregelmäßige glasähnliche Kristallstruktur im Gestein. Bereits in der Steinzeit wurde Obsidian wegen seines scharfkantigen Bruches geschätzt und von unseren Vorfahren zur Herstellung von Speerspitzen verwendet.
Blitzröhren im Sand
Auch durch Blitze kann natürliches Glas entstehen. Wenn ein 30.000 Grad Celsius heißer Blitz auf eine sandige Oberfläche trifft, entsteht Fulgurit, ein Quarzglas. Durch die enorme Hitze schmilzt der Sand, beim Einschlag wird die Innenkörnung herausgeschleudert und es entsteht eine so genannte Blitzröhre. Diese Blitzröhren sind besonders bei Geologen sehr begehrt.
Das älteste Glasrezept
Das älteste bekannte Rezept für künstliches Glas stammt aus der Zeit des assyrischen Königs Assurbanipal um 600 vor Christus und besagt: „Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche, fünf Teile Kreide und du erhältst Glas.“ Doch aufgrund historischer Funde vermuten Wissenschaftler, dass künstliches Glas wesentlich älter ist.
Ägyptische Glasperlen
Denn Archäologen fanden über 2.000 Jahre alte Glasperlen aus dem ägyptischen Raum. So sind in der berühmten Maske des Pharao Tut-Ench-Amun Glasperlen als Verzierung eingearbeitet. Doch es gibt auch noch ältere Funde – sie stammen aus der Zeit um 3.500 vor Christus. 2.000 Jahre später entstanden die ersten Glasgefäße.
Römische Glasbläser
Im ersten Jahrhundert vor Christus waren es die Römer, die Glas zum ersten Mal in Form bliesen. Dieses neue Verfahren ermöglichte es, Gefäße aus der Masse herzustellen – Fläschchen, Schalen und Vasen in vielen Variationen entstanden. Kunstvolle Glasperlen wurden sogar als Zahlungsmittel verwendet. In sämtlichen Provinzen des römischen Reiches wurde die Glasperle als Handelsware eingeführt.
Venedig – die Stadt der Glaskunst
Im Mittelalter blühte besonders Venedig als Glasstadt auf. Die Glasmacher wurden auf die Insel Murano ausgelagert. Auf diese Weise sollte die Stadt vor Feuer geschützt werden, außerdem waren die streng gehüteten Rezepte zur Glasherstellung dadurch auch besser gesichert. Auf den Verrat von Glasmacherrezepturen und -fertigkeiten stand die Todesstrafe.
Bleikristall
Im 17. Jahrhundert experimentierte George Ravenscroft in England mit Glas. Er mischte der Rezeptur Bleioxid bei und erhielt dadurch eine niedrigere Schmelztemperatur. Das Glas ließ sich nun viel besser schneiden und schleifen. Außerdem eignete es sich hervorragend für Glasschnitt und zeichnete sich durch Farblosigkeit, eine hohe Brechzahl des Lichts und einen schönen Klang aus. Wegen dieser Eigenschaften wurde es Bleikristall genannt, obwohl es überhaupt keine Kristalle enthielt.
Königliche Spiegelsäle
Unter der Herrschaft von König Ludwig XIV. wurde in Frankreich 1688 ein Plattengießverfahren erfunden. Dies ermöglichte es, Glasplatten in großem Ausmaß herzustellen. Über große Rollen wurde die flüssige Glasmasse auf einem Gießtisch ausgewalzt. Nach dem Erkalten wurde die Oberfläche glattgeschliffen, poliert und eine dünne Schicht aus niedrigschmelzendem Metall aufgetragen: Die ersten großflächigen Spiegel waren entstanden. In vielen Schlössern wurden daraufhin ganze Säle mit Spiegeln ausgestattet.
Glas in Serienproduktion
Die wahre Revolution fand in Deutschland im Jahr 1867 statt. Friedrich Siemens erfand den Wannenofen. In ihm konnten mehrere hundert Tonnen Glas eingeschmolzen werden – das erst ermöglichte eine Serienproduktion. Damit begann der Siegeszug von Glasprodukten. Heute ist Glas aus keinem Lebensbereich mehr wegzudenken.
Lesen Sie weiter: Recycling - Wie Altglas wiederverwertet wird
Lesen Sie außerdem:
Cyborgs - Die besseren Menschen?
Autogesichter - Die Mimik der Blechkarossen
Stahlkoloss als Weltzerstörer - Auf Tauchfahrt mit dem größten Atom-U-Boot der Welt
Biobeton gegen Terror - Wie Mais vor Sprengstoffanschlägen schützen soll
Mega-Baustelle unter den Alpen - Bergmänner graben längsten Tunnel der Welt
















