
Bild: AP
"Wirklich nachgewiesene, gelungene Täuschungen gibt es ganz wenig", sagt Professor Udo Undeutsch. Seit Jahrzehnten kämpft der Psychologe für die Anerkennung des Lügendetektors als Beweismittel vor Gericht. Auch heute, mit 91 Jahren, erstellt der Psychologe noch Gutachten mit diesem Gerät. Er behauptet, Lügner in 97 Prozent aller Fälle entlarven zu können.
Mehr zu Thema:
In Deutschland die Ausnahme
Bisher darf in Deutschland darf niemand wegen eines Lügendetektortests vor Gericht verurteilt werden. Nur in Ausnahmefällen haben Zivilrichter positive Testergebnisse anerkannt - etwa, wo verzweifelte Eltern ihre Unschuld im Falle des Kindesmissbrauchs beweisen wollten. Professor Undeutsch einer der wenigen, die von dem juristischen Nutzen des Lügendetektors absolut überzeugt sind. Er glaubt: "Unter Umständen können so sehr schwierige und tragische Fälle tatsächlich aufgeklärt werden." Doch der Einsatz ist heftig umstritten. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die strafrechtliche Verwendung eines Lügendetektors bereits 1954 verboten. Begründung: Der Einsatz stelle eine Verletzung der Menschenwürde dar.
In erster Linie Stress
Eigentlich misst ein Lügendetektor keine Lügen, sondern in erster Linie Stressreaktionen des Körpers. Deshalb sprechen Experten von einem "Polygraphen". Unser autonomes Nervensystem regelt Funktionen wie den Herzschlag, die Schweißproduktion, die Atmung und die so genannte Vasokonstruktion, das Zusammenziehen der Blutgefäße. Stehen wir unter Stress, reagiert unser Nervensystem: Der Puls erhöht sich, die Schweißproduktion der Haut wird angekurbelt, die Blutgefäße ziehen sich stärker zusammen, die Atmung wird schneller. Diese körperlichen Veränderungen können vom Polygraphen gemessen werden.
















